AC oder DC: Warum zuhause mit Wechselstrom geladen wird
Das Stromnetz im Haus liefert Wechselstrom (AC), die Batterie im Auto speichert Gleichstrom (DC). Umgewandelt wird bei einer AC-Wallbox im Fahrzeug selbst, im sogenannten Bordladegerät. Die reale Ladeleistung hängt deshalb immer auch vom Auto ab. Eine DC-Ladestation hat den Umwandler eingebaut und speist Gleichstrom direkt in die Batterie – so entstehen die hohen Leistungen, die an Schnellladern entlang der Autobahn üblich sind.
Im Eigenheim spielt DC-Laden heute kaum eine Rolle. DC-Geräte sind deutlich teurer, brauchen wesentlich mehr Anschlussleistung und bringen über Nacht keinen Vorteil: Nach acht Stunden an einer 11-kW-Wallbox ist ein durchschnittlicher Akku ohnehin voll. Die eigentliche Leistungsfrage stellt sich innerhalb der AC-Wallboxen – dazu mehr im Ratgeber welche AC-Ladeleistung sich zuhause lohnt.
Einphasig oder dreiphasig: was Ihr Hausanschluss hergibt
Die Ladeleistung ergibt sich aus der Zahl der Phasen und der Stromstärke pro Phase. Eine 11-kW-Wallbox arbeitet dreiphasig mit je 16 Ampere, eine 22-kW-Wallbox dreiphasig mit je 32 Ampere. Einphasig mit 16 Ampere sind es 3.7 kW. Die meisten Einfamilienhäuser in der Schweiz haben einen dreiphasigen Anschluss; ältere Liegenschaften sind teils einphasig oder knapp dimensioniert. Ob Ihr Anschluss die gewünschte Leistung trägt, klären wir beim Elektro-Check von Anschluss und Verteiler.
Einphasig lässt sich nur begrenzt Leistung beziehen. Eine hohe Last auf einer einzigen Phase bringt das Netz in Schieflast, deshalb setzen viele Netzbetreiber hier Grenzen. Ob 7.4 kW einphasig bei Ihnen zulässig sind, klären wir mit dem Technischen Anschlussgesuch. Umgekehrt laden manche E-Autos selbst nur einphasig: An einer dreiphasigen 11-kW-Wallbox nehmen sie dann rund 3.7 kW auf.
| Leistung | Anschluss | 60-kWh-Akku | Einordnung |
|---|---|---|---|
| ca. 2.3 kW | Haushaltssteckdose, einphasig | ca. 26 h | Notlösung |
| 3.7 kW | einphasig, 16 A | ca. 16 h | Einfach, aber langsam |
| 7.4 kW | einphasig, 32 A | ca. 8 h | Je nach Netzbetreiber eingeschränkt |
| 11 kW | dreiphasig, 16 A | ca. 5.5 h | Standard zuhause |
| 22 kW | dreiphasig, 32 A | ca. 3 h* | Spezialfälle, Freigabe nötig |
Richtwerte für eine Ladung von 0 auf 100 %, ohne Ladeverluste. Im Alltag laden Sie meist nur die gefahrenen Kilometer nach. * Nur wenn das Fahrzeug 22 kW AC aufnimmt.
Fest installiert, mobil oder Steckdose: drei Bauformen
Die fest installierte Wallbox hängt an der Wand oder steht auf einer Stele, hat eine eigene Zuleitung vom Verteiler und eigene Schutzorgane. Sie ist für das tägliche Laden gebaut und lässt sich mit Lastmanagement, Solaranlage und Abrechnung verbinden. In der Garage genügt die Schutzart IP44, draussen und im Carport sollte es IP54 oder höher sein.
Die mobile Ladestation – oft mobile Wallbox genannt – ist ein Ladegerät mit Kabel, das in eine Steckdose gesteckt wird. Für 11 kW braucht sie eine dreiphasige Industriesteckdose (CEE), die ein Elektriker fachgerecht installiert und absichert. Auch eine mobile Ladestation mit mehr als 3.7 kW muss beim Netzbetreiber angemeldet werden; das Infoblatt Ladestationen des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) fasst die Regeln zusammen. Sinnvoll ist die mobile Variante für einen Zweitstandort oder für Mieter, die in absehbarer Zeit umziehen – mehr dazu unter Ladelösungen für Mieterinnen und Mieter. Lastmanagement und Solarüberschuss-Laden sind je nach Modell nur eingeschränkt möglich. Ob fest installiert oder mobil, kann auch beim Versicherungsschutz einen Unterschied machen – das klären Sie am besten direkt mit Ihrer Versicherung.
Die Haushaltssteckdose mit dem Notladekabel, das manchen E-Autos beiliegt, liefert höchstens rund 2.3 kW. Für den Notfall reicht das, für den Alltag kaum: Ein 60-kWh-Akku braucht über 24 Stunden, und die stundenlange Volllast belastet Steckdose und Leitung. Bei älteren Installationen ist das ein echtes Sicherheitsrisiko.
Festes Kabel oder Typ-2-Steckdose an der Wallbox
Auch fest installierte Wallboxen gibt es in zwei Ausführungen. Mit fest angeschlagenem Ladekabel stecken Sie nur noch am Auto ein – bequem, wenn immer dasselbe Fahrzeug lädt. Mit einer Typ-2-Steckdose am Gerät bringen Sie das Kabel selbst mit. Das ist flexibler, wenn Gäste oder mehrere Fahrzeuge laden. An der Ladegeschwindigkeit ändert die Ausführung nichts.
Basis, smart, abrechnungsfähig: der Funktionsumfang
Innerhalb der fest installierten Wallbox-Arten unterscheiden sich die Geräte vor allem in ihren Funktionen. Eine Basis-Wallbox lädt zuverlässig, ohne App und ohne Vernetzung – für das Nachtladen im Einfamilienhaus genügt das. Eine smarte Wallbox passt ihre Ladeleistung laufend an: an den Hausverbrauch (Lastmanagement), an den Solarüberschuss oder an günstige Tarifzeiten. Wer Solarstrom vom eigenen Dach ins E-Auto laden möchte, braucht ein Modell, das mit Wechselrichter oder Energiemanagement kommuniziert.
Abrechnungsfähige Wallboxen haben einen geeichten Zähler nach MID-Norm und eine Zugangskontrolle per RFID-Karte oder App. Das braucht es, sobald mehrere Parteien laden oder Strom verrechnet wird – beim Firmenwagen oder beim Laden in Mehrfamilienhaus und Tiefgarage. Ein offener Kommunikationsstandard wie OCPP (Open Charge Point Protocol) hält dabei die Wahl des Abrechnungssystems offen.
Bidirektionale Wallboxen, die Strom aus dem Auto zurück ins Haus speisen (Vehicle-to-Home), sind in der Schweiz ein Zukunftsthema. Sie setzen ein kompatibles Fahrzeug und passende Ladeinfrastruktur voraus und sind bisher vor allem in Pilotprojekten zu sehen. Welche Marken welche Funktionen abdecken, zeigt unsere herstellerneutrale Markenübersicht.